Aus Anlass des Starts des Horrorfilms "Paranormal Activity 2":
Was geschah wirklich mit Katie und Micah, den unglücklichen Stars des Films „Paranormal Activity“? Erinnern wir uns: In dem von Oren Peli 2007 gedrehten Erstling wurden die beiden von einem Dämon heimgesucht, was einer von ihnen nicht überlebte. Jetzt will „Paranormal Activity 2“ die Rätsel lösen. Zugleich wird der Schrecken noch größer, denn der Dämon hat noch lange nicht genug. Überall dort, wo die Lichter ausgehen und die Menschen sich schlafen legen, ist er zur Stelle. Und diesmal gibt er sich nicht mehr mit ein paar Geräuschen und unheimlichen Erscheinungen zufrieden. In den USA legte der Film von Tod Williams, von dem so gut wie keine Vorabinformationen an die Außenwelt drangen, gerade mit einem Einspielergebnis von 41,5 Millionen Dollar den besten Filmstart eines Horrorfilms aller Zeiten hin. Am 4. November startet der Film in Deutschland.
Es bedarf wenig Phantasie, ihm auch in Deutschland gute Besucherresonanz vorherzusagen. Schließlich bewegte vor wenigen Tagen die RTL-Auftaktsendung zum neuen Format "Das Medium" tagelang die Gemüter. Darin suchte Freya Barschel, der Witwe des 1987 verstorbenen CDU-Politikers Uwe Barschel, über das Medium Kim-Anne Jannes Kontakt zu ihrem Gatten aufzunehmen, der zuletzt tot in der Badewanne des Genfer Hotels "Beau Rivage" gesehen worden war.
Beweise für ein Leben nach dem Tod – nichts hätte man lieber. Und deshalb gab es schon immer Versuche, mit dem Jenseits in Kontakt zu treten, Geister zu beschwören, damit sie den Menschen nicht nur die Angst nehmen vor dem großen ewigen Unbekannten, sondern auch ihr angeblich unbegrenztes Wissen kundtun. Dass Rituale dieser Art in Naturreligionen praktiziert wurden, zu Zeiten, in denen vielleicht gerade das Rad erfunden wurde, nicht aber die Eisenbahn, und Darwin noch nicht seine Evolutionstheorie entwickelt hatte, verwundert kaum. Dass der Spiritismus aber ausgerechnet zu Beginn der Industrialisierung, am Anfang der modernen Welt zur Massenbewegung wurde, ist bemerkenswert. So war auch der erste Geist, der mit Klopfzeichen in Erscheinung trat, sehr modern. Es war angeblich ein ermordeter und im Keller begrabener Hausierer, der 1848 der Familie Fox in Hydesville im US-Staat New York Zeichen gab – und sich dabei einer Methode bediente, die sehr stark an das wenige Jahre zuvor erfundene Telegrafenalphabet von Samuel F. B. Morse erinnerte. Familie Fox jedenfalls konnte jeder Anzahl von Klopfern einen Buchstaben im Alphabet zuordnen und so Botschaften aus dem Jenseits empfangen. Die von Hunderten von Neugierigen besuchten Auftritte der drei Fox-Töchter Margaret, Catherine und Leah, bei denen sie den Geist des Verstorbenen zum Klopfen brachten, gelten als Beginn des modernen Spiritismus. Und die Faszination für die vermeintliche Möglichkeit, mit der anderen Welt Kontakt aufzunehmen, erlosch auch dann nicht, als Kate und Margaret 1888 reumütig zugaben, mit ihren Zehen die unheimlichen Geräusche gemacht zu haben.
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