Archiv für November 2010

Joseph Beuys – Die Ausstellung in Düsseldorf vorbereitet

Mittwoch, 17. November 2010
Düsseldorf feiert seine zweite Kunstquadriennale in zehn Museen und 30 privaten Galerien. Obenan in der Zeitreise über fünf Jahrzehnte steht neben Nam June Paik, Katharina Sieverding und Marcel Broodthaers der Objektkünstler, Provokateur, Weltverbesserer und Schamane Joseph Beuys (1921-1986).

Düsseldorf. Im Kunstquartier K20 am Grabbeplatz kann besichtigt werden, wie sich dank des Mannes mit Filzhut und Anglerweste, der noch immer die Betrachter zu spalten weiß, das Leben in die Kunst verwandelte. 24 Jahre nach seinem Tod bereitet die Stadt ihrem nicht immer geliebten Sohn mit "Parallelprozesse" in einer Schau der Superlative eine neuerliche Heimkehr. Die renommierte Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen veranstaltet diese Retrospektive mit 300 Arbeiten auf rund 3000 Quadratmetern und drei Ebenen. Indem verschiedene Aspekte der Beuysschen Kunstproduktion zueinander in Beziehung gesetzt werden, erfährt sein erweiterter Kunstbegriff eine sinnfällige aktuelle Einordnung. Gleichwohl ist es immer ein Wagnis, den so facettenreichen Beuys auszustellen. Dies bekennt auch die Kuratorin Marion Ackermann, "denn sowohl die Musealisierung als auch das Einrichten von Ausstellungen waren für ihn kreative Prozesse", an denen der charismatische Künstler selbst beteiligt war. Gleichwohl weiß man, dass Beuys "keinen Zustand der Erstarrung" intendierte und das Museum im "Prozess einer permanenten Wandlung" sah.

Was wohl nur den Eingeweihten und Lesern des repräsentativen Katalogs (Verlag Schirmer/Mosel) bekannt sein dürfte, an der Idee für diese Schau hat auch der kürzlich verstorbene Professor für Kunstgeschichte der Universität Jena, Franz-Joachim Verspohl, seinen Anteil. War er es doch, der den Spuren Beuys in den Kriegsjahren in Erfurt und Weimar folgte. In Thüringen wurde der Künstler zum Bordfunker ausgebildet und schuf bei einem Ausflug nach Weimar sein berühmtes "Belvedere-Blatt", das freilich nicht in dieser Retrospektive, sondern im Beuys-Archiv auf Schloss Moyland zu sehen ist.

Die Schau erinnert nachhaltig daran, dass Beuys vor seiner Zeit als Schöpfer der sozialen Plastik durchaus bodenständig zeichnend und malend auf sich aufmerksam machte. Von daher bildet seine Annäherung an die Natur und den Menschen den Auftakt der als Rundgang konzipierten Ausstellung. Doch auch dies sind schon Déjà-vus in den Kabinetten: Blätter wie "Junger Hirsch" (1952), "Tierfrau" (1962) oder "Filzplastiken an Körperwinkeln" (1964).

Seine Menschenbilder nahmen damals bereits die folgenden statuarisch körperlichen Auffassungen vorweg. Eine seiner frühen beeindruckenden Plastiken ist der "Krieger" (ca. 19551958) eine Arbeit aus Gips mit Mull, die auch an jenen legendären Absturz als Kampfflieger von 1944 erinnern könnte, nach dem er auf der Krim in einem Lazarett gesund gepflegt wurde. Dass Tataren ihn mit Filz und Fett betreuten, scheint eher eine schöne Legende zu sein.

quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Das-Wagnis-Joseph-Beuys-Ausstellung-in-Duesseldorf-vorbereitet-148688659

Der Assistentin ins Gesicht gespuckt

Donnerstag, 11. November 2010

Was hat der Holocaust mit dem Kannibalen von Rotenburg zu tun? Elfriede Jelineks Schauspiel "Rechnitz" löst in Düsseldorf einen Skandal aus, der es bis in die Harald-Schmidt-Show schafft.

Nach fünf Jahren ereignete sich in Düsseldorf wieder ein Theaterskandal. Damals, bei Shakespeares "Macbeth", hatten an die 300 Zuschauer nach einer Viertelstunde genug von Jürgen Goschs nackten männlichen Hexen auf der Bühne; jetzt, bei Elfriede Jelineks "Rechnitz (Der Würgeengel)" setzt erst die letzte Viertelstunde den Stachel, der etliche Empörte aus dem Theater treibt.

Man hört im Dunkeln, halblaut gesprochen, den authentischen Dialog des sogenannten Kannibalen von Rotenburg, der sich zu seinem tödlichen Rendezvous verabredet. Das ist zu viel. "Aufhören!", rufen Düsseldorfer Bürger und Theaterfreunde; einer von ihnen spuckt beim Abgehen eine Regieassistentin an, als sie freimütig bekennt, sie sei stolz darauf, bei dieser Produktion mitzuwirken.

Stolz, nicht etwa sündenstolz. Der "Sündenstolz", der besser vielleicht Reuestolz hieße, ist ein Jelinekscher Schlüsselbegriff: Er zielt auf eine florierende Gedenkkultur, mit der man sich, wie die Autorin in einem Interview sagte, in festgelegten rhetorischen Formeln "und voll Selbstgenuss" von der NS-Vergangenheit distanziere und bei den nachfolgenden Generationen nur noch Unwillen erzeuge. Indem Jelinek diesen "Sündenstolz" scharf thematisiert, sät sie den eigentlichen Keim der Provokation.

Die Publikumsreaktion zeigt, dass es funktioniert. "Rechnitz" erzählt zwar davon, wie im April 1945 die Gäste einer Party auf einem gräflichen Schloss an der österreichisch-ungarischen Grenze 180 jüdische Zwangsarbeiter mit Gewehrsalven niedermetzelten. Aber die suggestive Kraft des Textes hat nicht bloß mit dem historischen Faktum zu tun, sondern auch damit, wie Jelinek Quellen unterschiedlichster Provenienz miteinander verbindet. Was hat der Holocaust mit dem Kannibalen von Rotenburg zu tun?

Bei der Uraufführung vor zwei Jahren an den Münchner Kammerspielen hat Jossi Wieler die Kannibalen-Passage gestrichen; in Düsseldorf rückt der Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer sie prominent an den Schluss. Es gibt dann nichts mehr zu sehen, es gibt nur noch diesen gruseligen O-Ton-Text, der seinen O-Ton unverfälscht beibehält, aus einer Black Box heraus zu hören. Während es einem Teil des Publikums kalt über den Rücken läuft, schreien andere: "Aufhören!"

Weil sie zu weit gehen will

Dass der Holocaust eine perfide logistische Leistung war, wie sie Peter Weiss in seinem Auschwitz-Stück "Die Ermittlung" schon vor 45 Jahren dokumentierte, wird (weiterlesen…)

OLG Düsseldorf: elektronischen Programmführern-Betreiber müssen an VG Media zahlen

Mittwoch, 03. November 2010

Betreiber von elektronischen Programmführern (EPG), die auf Computern oder Fernsehern empfangbar sind, müssen für die Nutzung der von den TV-Sendern bereitgestellten erweiterten Programminformationen an die Verwertungsgesellschaft VG Media zahlen. Dies stellte das OLG Düsseldorf nach Angaben der Verwertungsgesellschaft fest. Damit wies das Gericht in zweiter Instanz die Klage des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gegen die VG Media ab. Die Revision zum BGH wurde nicht zugelassen. Bereits im vergangenen Jahr hatten sowohl das LG Leipzig, das OLG Dresden und schließlich das LG Köln die urheberrechtliche Schutzfähigkeit des Programmbegleitmaterials einheitlich und in vollem Umfange bestätigt.

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